Schwerhörige müssen
Normalhörenden
gleichgestellt werden!

Das schreibt auch das Bundes-Behinderten­gleich­stellungs­gesetz (BGStG) vor, das nach
Ablauf einer 10-jährigen Über­gangsfrist nun
mit 1. Jänner 2016 in Kraft getreten ist.

Was Sie über barrierefreies
Hören wissen sollten:

01 Wissen Sie eigentlich was akustische Barrierefreiheit bedeutet?

Für Menschen mit Hörminderung wird ein Hören ohne Barrieren erst durch den Einsatz moderner Höranlagen erreicht. Sie filtern alle positiven Klang­erlebnisse aus dem akustischen Rausch­teppich und bringen diese ohne störende Neben­geräusche auf direktem Weg in die Ohren von Hörgeräte­trägern. Ziel der Bestimmungen zur Umsetzung der Barriere­freiheit ist es, dass allen Menschen eine uneinge­schränkte Nutzung von Objekten, Gütern und Dienst­leistungen im sogenannten öffentlichen Raum ermöglicht wird.

02 Wo finden barrierefreie Höranlagen ihren Einsatz?

Die Notwendigkeit von barrierefreien Höranlagen ist überall dort gegeben, wo viel Störschall herrscht – etwa durch elektronische Geräte, parallele Gesprächs­situationen oder akustisch schwierige Raum­bedingungen. Das trifft einerseits bei einer Zweier­kommuni­kation im Pult- und Schalterbereich zu. In Institutionen und Räum­lich­keiten wie Banken, Ordinationen, Apotheken, Erst­anlauf­stellen, Infoschalter, Kassen, Rezeptionen und vielen mehr kann man ausschließlich mit Hilfe von barriere­freien Höranlagen klar, verständlich und vor allem diskret kommunizieren. Sogenannte Raum­anlagen kommen in kleinen und großen Veran­staltungs­räumlich­keiten wie etwa im Theater, Kino, in Kirchen und Seminar­räumen zum Einsatz.

03 Wie funktionieren akustische Höranlagen?

Die meisten Hörgeräte enthalten eine sogenannte Induktions­spule, die vom Akustiker lediglich aktiviert werden muss – ohne Mehrkosten. Dies ermöglicht Menschen mit Hörminderung einen stör­schall­freien und klaren Empfang von Sprache und Musik beim Einsatz von induktiven Höranlagen, FM- und Infrarot­anlagen sowie auch in der Tele­kommunikation. Der Ton wird also direkt ins Hörsystem über­tragen und Umgebungs­geräusche werden ausgeblendet.

04 Normgerechte Lösungen für barrierefreies Hören.

Induktive Höranlagen im öffentlichen Bereich müssen immer mittels Piktogramm gemäß ÖNORM A 3011-3 gekennzeichnet sein, sofern die Hörhilfen der Norm EN 60118-4 entsprechen. Mit diesem Bildzeichen ist barrierefreies Hören für Menschen mit Hörminderung klar ersichtlich.

05 Noch nicht akustisch barrierefrei – wer ist dazu verpflichtet?

Akustische Barrierefreiheit muss als Selbstverständnis für öffentliche Einrichtungen, Veranstalter, Architekten, Ingenieurbüros, Bauunternehmen und Bauherren angesehen werden. Denn zu einem akustisch barriere­freien Zugang gesetzlich verpflichtet sind sämt­liche öffent­liche Gebäude, aber auch Wohn- und Gewerbe­immobilien. Professionelle Höran­lagen müssen je nach Ein­satz­zweck und bau­lichen Erfordernissen eines Objektes indivi­duell geplant, norm­gerecht errichtet und einer nach­haltigen Funktions­kontrolle unter­zogen werden. Wenn man die Errichtung von Hör­anlagen bereits im Planungs­stadium berück­sichtigt, lassen sich diese meist unkompliziert und preis­wert realisieren. Aber auch die Nach­rüstung eines Pult- und Schalter­anlagen­bereichs mit einer barriere­freien Höranlage ist in der Regel sehr einfach und kosten­günstig umzu­setzen, da keine baulichen Maß­nahmen erforder­lich sind. Bei Anlagen für Raum­situationen müssen die Gegeben­heiten vor Ort besichtigt werden, um eine passende barriere­freie Aus­stattung im Nach­hinein optimal realisieren zu können.

06 Nachhaltige Kundenorientierung und Wettbewerbsvorteil.

Der Umgang mit einer Hörminderung als unsicht­bare Beein­trächtigung ist oftmals schwierig, da Nicht­betroffene es erkennen, aber aus Höf­lich­keit schweigen. Und Beein­trächtigte haben meist selbst Scheu, sich zu Wort zu melden, da sie ihre Beein­trächtigung oft nicht wahr­haben wollen und mit großer Anstrengung versuchen, diese zu verdrängen und zu leugnen. Umso mehr müssen öffent­liche Ein­richtungen der größten Behinderten­gruppe gerecht werden und barriere­freies Hören in Österreich standardi­sieren. Die Schaffung von akustisch barriere­freien Räumlich­keiten und Dienst­leistungen berück­sichtigt aber nicht nur die gesetz­lichen Grund­lagen, sondern sie ist auch eine Frage des Wett­bewerbs und birgt für Unter­nehmen und Institutionen vor allem ein enormes wirt­schaftliches Potential.